Konzert Masha Dimitrieva und Felicitas Breest

Benefizkonzert im Salzstadl

Ein Klassik-Konzert der Weltklasse im Salzstadl

Einen wahrlich außergewöhnlichen Konzertabend erlebten gestern die vielen Zuhörer im Salzstadl in Landshut. Sissi Pöschl als Veranstalterin des Benefizkonzerts für Ecuador „Licht und Schatten“ e.V. hatte dieses Mal das Künstlerduo Masha Dimitrieva (Klavier) und Felicitas Breest (Sopran) gewonnen. Nun ist Sissi Pöschl ja dafür bekannt, dem Landshuter Publikum immer wieder kleine Sternstunden der Musik in allen Genres zu vermitteln, zuletzt das Ensemble Herbert Pixner: doch das gestrige Konzert sprengte jeglichen Rahmen – ein Klassik-Konzert der absoluten Weltklasse!

Das Programm des Künstler-Duos war mit dem eher etwas harmlosen Titel „Über die Liebe und das Leben…“ überschrieben – Wer konnte ahnen, welch fulminante Musik und musikalische Darbietung hier folgen würde!

Nun ist ja zumindest die Pianistin Masha Dimitrieva dem Landshuter Publikum, insbesondere aus früheren Jahren durchaus bekannt, war sie doch auch über etliche Jahre in Landshut wohnhaft und brillierte mit Soloprogrammen und ungewöhnlichen Konzertorten, z.B. im Gefängnis. Ihr Weg führte sie für einige Jahre nach Baden bei Wien, seit 2011 lebt sie bei Ingolstadt. Ausgebildet mit Auszeichnung am Konservatorium in Moskau, Konzert-Diplom an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover bei Prof. David Wilde, Meisterklasse beim großartigen Conrad Hansen in Hamburg, sodann internationale Karriere in Europa und Nordamerika, etliche CD-Veröffentlichungen, Rundfunksendungen etc. Seit vielen Jahren setzt sie sich für das Bekanntwerden noch unbekannter Meisterstücke der Musik und Komponisten ein, insbesondere für den amerikanischen, 2013 verstorbenen Komponisten Gordon Sherwood.

Felicitas Breest darf wiederum als Entdeckung des gestrigen Abends für das Klassik-begeisterte Landshuter Publikum und darüber hinaus angesehen werden. Hier präsentierte sich eine Sopranistin, die ihr darstellerisches und gesangliches Talent im Höchstmaß zu einem stimmigen Gesamtwerk zu verbinden vermag. Zuerst Schauspielausbildung, dann Gesangsausbildung bei Cheryl Studer und Vertiefung in etlichen Meisterkursen, ist sie bereits mit zahlreichen Liederabenden im In- und Ausland hervorgetreten. Mehrere CD-Veröffentlichungen, u.a. „Franz Schuberts Winterreise“ oder „Der Welt abhanden gekommen“ über Clara Schumann und Alma Mahler-Werfel dokumentieren ihr Schaffen. Sie ist Mitglied des Georg-Kochbeck-Ensembles.

Doch die wahre Meisterschaft zeigte sich in dem folgenden symbiotischen Zusammenwirken dieser beiden starken Einzelpersönlichkeiten und Meister ihres Fachs.

Das Programm startete mit Robert Schumann’s Werk Widmung, das er für seine Frau Clara als Hochzeitsgeschenk komponierte, und zu dem Felicitas Breest das Gedicht Widmung von Friedrich Rückert vortrug. Masha Dimitrieva hatte mit dem ersten Anschlag das Publikum in ihren Bann geschlagen. Es folgte die Arie „La Wally“ von A. Catalani, in der beide Künstlerinnen den musikalischen und atmosphärischen Grundstein für das anschließende musikalische Feuerwerk legten.

Denn was nun folgte war im Wesentlichen die Präsentation von Liedern des zeitgenössischen amerikanischen Komponisten Gordon Sherwood, der zu diesen auch den Text geschrieben hatte. Masha Dimitrieva führte das Publikum charmant in dessen Leben und Schaffen ein. Über ihr Label Sonus Eterna veröffentlicht Masha Dimitrieva sein Gesamtwerk. In 2019 erschien eine CD „Klavierwerke, Vol. I“ sowie die CD „The Complete Songs Vol. I“.

Die beiden Künstlerinnen zauberten die in den eher klassischen Liedern wie West Wind, Storm at Sea, Ghost Ship, World-Weary , Winter Wind oder Retrospect innewohnenden Gefühlswelten und Facetten von Liebesleid wie Liebesfreud mit allen Sinnen erfassend auf die Bühne. Man blieb nicht Zuhörer, nicht Zuschauer, sondern wurde Teil der musikalischen Darbietung und textlichen Tiefe der einzelnen Kompositionen von Gordon Sherwood und seiner Botschaft.

Nach der Pause zeigten sowohl die „Blues Songs“, als auch die „Fashion Songs“ einen anderen Gordon Sherwood. Hier brillierte ein Meister des Blues und der Komposition, in dem Gordon Sherwood Blues-Rhythmus und Lebensgefühl mit opernhaftem Koloraturgesang verband – ein noch nie gehörtes Klang- und Stimmungsbild entstand. Und die beiden Künstlerinnen zeigten, dass sie nicht nur das klassische Fach beherrschen, sondern auch in Blues und Jazz emotional und künstlerisch vollkommen zuhause sind. In den teil ironisch, aber auch erotischen und heiter-vergnüglichen Fashion Songs of the Sixties wurden Leichtigkeit, Keckheit und das Lebensgefühl der 60er Jahre auf der Bühne lebendig.

Die Zugabe eines Songs, das Gordon Sherwood dem Box-Weltmeister Muhammad Ali widmete und dessen Kämpfe „Rumble in the jungle“ und „Thriller in Manila“ zum Inhalt hatten, erlebte das Publikum eine mit Box-Handschuhen bewaffnete Sopranistin, die mit ihrem kämpferischem Mut und ihrer dargebotenen Boxtechnik jederzeit selbst in den Ring steigen könnte. Aber seien wir froh, dass beide Künstlerinnen ihrer musikalischen Berufung folgen.

Dank an Masha Dimitrieva und Felicitas Breest für die Darbietung, Dank an Gordon Sherwood für das kompositorische Werk, Dank an Sissi Pöschl für die Organisation! Es ist nicht zu viel gesagt – gestern Abend, 9. Dezember erlebte Landshut das Konzertereignis des Jahres und eine musikalische Sternstunde.

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